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  • Lennart

Ein Tag - Drei Schicksale. Meine Ankunft im Mexiko.

Elfeinhalb Stunden Flug. Eine Premiere. Noch nie zuvor befand ich mich solange auf dem Kampfstuhl. Doch so ein Kampf war der Flug gar nicht. Mit Ohrstöpseln und mehr als genug Platz für jeden (Mut zur Lücke wegen Covid) glitten wir durch die Lüfte über dem Atlantik. Knapp vorbei an New York, verdammt!


Die Crew war überaus nett, mit tollem Service, mexikanischem Essen und leckerem Café und – nicht zu vergessen – für mich mit Tomatensaft mit Pfeffer und Salz! Schmeckt mir so nur auf 10.000 Metern Höhe. Salute! Zu guter Letzt hat die große Auswahl an Filmen das Reiseglück vervollständigt und das Warten verkürzt.

Beim Anflug auf Mexiko-Stadt am frühen Morgen des 28. September fällt mir besonders eins ins Auge: Ein nicht enden wollendes Lichtermeer. Die Stadt scheint riesig – und das ist sie mit ihren knapp 20 Millionen Einwohnern auch. Ein ähnlicher Eindruck erwartet mich am Flughafen. Für 3:30 Uhr ist dieser erstaunlich voll. Die Leute wirken hektisch.

Dazu noch eine unerfreuliche Überraschung: Mein Gepäck trudelt nicht auf dem Band aus. Zu meiner Beruhigung versichert mir eine ältere Dame am Service-Schalter, dass der geliebte Rucksack seinen Weg in die karibische Metropole Cancún schon noch finden wird und ich mir keine Sorgen machen solle. Nun denn.


Im Laufe des Gesprächs mit der Dame – sie mit holprigem Englisch, ich mit irgendwas zwischen Schul-Spanisch und kalt/müde/pipi – gesellen sich zwei junge Herren, etwa Anfang 30, zum Dialog.


Der eine Typ ist Raffa*. Raffa ist groß, rothaarig, französischer Ingenieur mit Wurzeln im Elsass, Deutsch fließend und bereist seit 2011 zum 9. Mal (!) das Land. Ihm gefällt es hier so gut, dass er sich passend zum Land auch gleich die passende Freundin gesucht hat. Diese möchte er besuchen: Sie hat aufgrund von Covid-19 Europa verlassen müssen. Er gibt mir Reisetipps, viele Reisetipps. Seine detaillierteste Empfehlung ist der sog. ‚Kupfergraben‘ im Norden des Landes – angeblich gefährliche Konkurrenz zum Grand Canyon. Den sollte ich mir wohl auf keinen Fall entgehen lassen.


Der zweite Typ ist Alexander*. Alexander ist klein, mit wachem Blick, lichtem Haar und schlichter Kleidung. Er kommt aus der Schweiz und erzählt mir mit strahlenden Augen, dass er endlich die nötigen Papiere habe, um in Mexikos Touristenregionen am karibischen Meer als Koch zu arbeiten. Die administrativen Verfahren hätten über ein Jahr in Anspruch genommen. Alexander, der ebenfalls seit Jahren mehrmals das Land bereiste, ist so begeistert, dass er ohne weiteres Zögern das hohe Lohngefälle zwischen der Schweiz und Mexiko in Kauf nimmt. Ihm gehe es, so Alex, um die „Art zu leben, die Art der Leute“. Er soll nicht der letzte sein, der mir das sagt.


In Cancún angekommen, lasse ich mich am Flughafen mangels klarer Alternativen beinahe von der mexikanischen Taxi-Mafia überrumpeln, die für eine Fahrt von 5 Kilometern mal eben 40 US-Dollar verlangt. Glücklicherweise mache ich im Hintergrund des Geschehens einen Shuttle-Bus aus, der mich für günstige 90 Peso (ca. 3,50€) ins Stadtzentrum bringt.


Dort angekommen im Hostel treffe ich an der Bar sitzend Sven*. Sven ist ein Landsmann aus München, Jahrgang 1990, ehemaliger Soldat auf Zeit mit Kampferfahrung in Afghanistan, geschieden und mit 2 Kindern in Deutschland, die er nicht sehen darf. Er erzählt mir von einer Familie, die ihn verstoßen hat und einer neuen Freundin, die er hier in Mexiko kennengelernt hat. Max möchte einen Neuanfang wagen, zusammen mit seiner Freundin ein Hostel und – damit verbunden – eine Existenz in Mexiko aufbauen. Auch ihn reizt der mexikanische Lifestyle. Die deutsche Staatsbürgerschaft will er ablegen, das Alte hinter sich lassen. Wir tauschen uns aus, ich tauche ein. Ein in eine völlig andere Gedankenwelt und Situation. Teilweise harter Tobak, aber auch erkenntnisreich. Am Folgetag hat er frei, wir verabreden uns für den Strand und eine Stadt-Erkundung.


„Und das war erst ein Tag“ denke ich mir, und sinke müde in mein Bett des Sechser-Zimmers – zum Glück nicht vollbesetzt.


An spannenden Orten trifft man spannende Leute, so scheint mir. Mal sehen, was die kommenden Tage so bringen.


Bis demnächst!




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